Wer eine Sanierung plant, steht früher oder später vor der Frage: Anstrich, Dämmputz oder klassische Dämmung mit Platten? Dieser Beitrag ordnet die drei Wege nach Schichtdicke, Regelwerk und Nachweis ein.
Die Schichtdicke als Maßstab
Nachträglich aufgebrachte Dämmschichten sind nach der Verbraucherzentrale Thüringen üblicherweise 150 bis 200 mm dick; ein Farbanstrich kommt auf wenige Millimeter. Die Verbraucherzentrale schließt daraus: „Ein Anstrich kann diese Dämmwirkung nicht ersetzen.“ Ein Klimakammertest der Leibniz Universität Hannover bestätigt das für ein beworbenes Produkt: Die Dämmfarbe verhielt sich wie die Vergleichsfarbe, die 20 cm EPS-Dämmung dämmte mit großem Abstand am besten (Beitrag zum Klimakammertest).
Was das Gesetz verlangt
Bei einer energetischen Sanierung schreibt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) in Anlage 7 zu § 36 einen Höchstwert für den U-Wert der Außenwand von 0,24 W/(m²·K) vor. Für eine BAFA-Förderung von Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle ist an der Außenwand ein U-Wert von höchstens 0,20 W/(m²·K) nachzuweisen. Beide Werte lassen sich mit einer Dämmschicht ausreichender Stärke belegen, ebenso mit einem Dämmputzsystem, dessen U-Wert am Bauteil gemessen ist.
Der Dämmputz als dünne Lösung
Wo die Fassade dünn bleiben muss, ist ein Dämmputz die passende Lösung: an denkmalgeschützten Fassaden, an Laibungen, Traufen und Balkonen und überall, wo für Platten schlicht der Platz fehlt. PScoat misst als System aus Grundierung und Beschichtung rund 1 mm und trägt die CE-Kennzeichnung nach EN 15824. In der Objektstudie an einem Mehrfamilienhaus von 1960 sank der U-Wert der Außenwand mit 1 mm PScoat-System von 2,63 auf 0,096 W/(m²·K), deutlich unter beiden Grenzwerten.
Wo Platz für Dämmplatten ist und die Fassade dicker werden darf, bleiben klassische Dämmplatten eine Option, etwa als außenliegendes Wärmedämmverbundsystem (WDVS).
Was ein gutes Angebot enthält
Für jedes Angebot lohnt sich dieselbe Erwartung: eine nachvollziehbare Berechnung des Ist-U-Werts, ein klar benannter Ziel-U-Wert nach der Maßnahme, die verwendeten Materialkennwerte mit Quellenangabe und, sofern eine Förderung angestrebt wird, die Begleitung des Antrags durch einen Energieeffizienz-Experten. PScoat liefert den U-Wert als schriftliche Garantie zu jedem Paket (Easy, Plus, Premium).
Bei denkmalgeschützten Gebäuden kommt ein Schritt hinzu: Vor jeder Fassadenmaßnahme ist in der Regel die Genehmigung der zuständigen Denkmalschutzbehörde einzuholen. Sie prüft vor allem das äußere Erscheinungsbild; ein Dämmputz mit rund 1 mm Schichtdicke verändert es am wenigsten.
Fazit
Anstrich, Dämmputz und Dämmplatte unterscheiden sich in Schichtdicke und Nachweis. Der Anstrich ergänzt, die Dämmplatte braucht Platz, der Dämmputz dämmt dünn und mit gemessenem U-Wert. Mehr zu den Nachweisen: Nachweise und Messungen.
Quellen
- Verbraucherzentrale Thüringen, Pressemeldung vom 10.03.2023
- Positionspapier von VDPM und VdL (2026), Klimakammertest der Leibniz Universität Hannover
- GModG, Anlage 7 zu § 36 (U-Wert Außenwand 0,24 W/(m²·K)); BAFA, Bundesförderung für effiziente Gebäude, Einzelmaßnahmen an der Gebäudehülle
- DIN EN 15824, Festlegungen für Außen- und Innenputze mit organischen Bindemitteln
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